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Zwei Bildhauer

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Noch bis Ende Juli findet im Azgur-Museum eine Ausstellung des Bildhauers Konstantin Selichanov statt. Ein Besuch lohnt sich aus zwei Gründen: Zum einen zeichnet sich das Werk Selichanovs durch einen ganz eigenen Stil aus, den der Künstler selber „neuen sozialistischen Realismus“ nennt. In der aktuellen Ausstellung stehen Sportler der 30er Jahre im Zentrum – zugleich gesichtslos Teil einer imposanten Parade, und doch individuell, jeder für sich. An den Skulpturen arbeitete Selichanov, dessen Werk insgesamt vom Film inspiriert ist, fast 10 Jahre.

Der Ausstellungsort, das Azgur-Museum in Minsk, hat der Künstler nicht zufällig gewählt, und das ist auch der zweite Grund für einen Besuch der Ausstellung. Die Atmosphäre im Museum ist geprägt von den zahlreichen monumentalen Skulpturen vergangener Zeiten, die der Bildhauer Zair Azgur hier, in seiner Werkstatt, angefertigt hat. Zair Isaakovich Azgur (1908-1995) war ein sowjetischer Bildhauer, in Vitebsk geboren, hauptsächlich aktiv in Minsk. Von ihm stammen die Figuren am Opernhaus sowie zahlreiche Büsten bekannter Persönlichkeiten im Stil des sozialistischen Realismus. Seine Werkstatt bietet eine ideale Umgebung für die Werke Selichanovs, die zusammen mit Azgurs Skulpturen gleichsam eine Verbindung eingehen und Parallelen im Werk beider Künstler sichtbar werden lassen.

Chagall in Minsk

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Seit dem 7. Juni ist im Zentrum von Minsk eine Open-Air-Ausstellung mit Reproduktionen von Werken von Marc Chagall zusehen. Anlass ist der 125. Geburtstag des Künstlers, der in diesem Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen und Ausstellungen begangen wird.

Die vom Museum für Zeitgenössische Kunst initiierte Ausstellung wird bis zu, 9. September, dem Geburtstag der Stadt Minsk, auf dem Jakub Kolas-Platz zu sehen sein. Sie zeigt 19 Arbeiten des in Vitebsk geborenen Künstlers, die sich heute in Moskau, Petersburg und Vitebsk befinden. Sie alle sind entstanden, bevor Chagall seine Heimat verließ und nach Paris umsiedelte.

Open-Air-Ausstellungen gibt es so gut wie keine in Belarus, es handelt sich also um ein für die Stadt ungewohntes Format. Hinzu kommt, dass die Arbeiten in einem vergrößerten Format gezeigt werden, womit sie dem Platz einen ganz ungewohnten Charakter verleihen.

Im September sollen im Kunstmuseum die vor Kurzem von einer Bank erworbenen Werke von Chagall und Soutine sowie weitere Originalwerke gezeigt werden. Dies gab Kulturminister Latuschko bei der Eröffnung am 7. Juni bekannt. In der Ausstellung sollen auch 92 Werke Chagalls aus Jerusalem gezeigt werden.

Lange Nacht der Museen

Heute ist es mal wieder soweit, und das auch noch am Internationalen Museumstag: In Minsk startet die Lange Nacht der Museen mit einem vielfältigen Programm.

Werke jüdischer Komponisten in der Philharmonie

Von erlesener Qualität war das gestrige Konzert im Kleinen Saal der Philharmonie . Auf dem Programm stand eine Auswahl von Werken jüdischer Komponisten, die durch Geburt, Leben oder Wirken mit Weißrussland /Belarus bzw. der Kulturregion verbunden sind. Dargeboten wurden die Stücke durch das Solisten-Ensemble „Klassik-Avantgarde“.

Das Ensemble wurde Ende der 80er Jahre gegründet und steht seitdem unter der Leitung von Vladimir Baidov. Die 18 Musiker sind teilweise als Solisten mehrfach ausgezeichnet und bilden zusammen einen harmonischen und technisch brillanten Musikkörper. Ihr Name ist Programm: Immer wieder stellt das Ensemble neben bekannten Klassikern bisher wenig gespielte und teilweise vergessene Komponisten vor. Ergänzt wird das Konzertprogramm, wie auch gestern Abend, durch jeweils ausführliche Einführungen in die Stücke mit biographischen Informationen über die Komponisten und ihre Werkgeschichte.

Gestern Abend stellte das Orchester etwa 12 Stücke jüdischer Komponisten vor, darunter Maximilian Steinberg (1882-1946), Aleksandr Tansmann (1897-1986) und Mardechaj Gebirtig (1877-1942) , der im Ghetto in Krakau erschossen wurde. Überhaupt war viel die Rede von dem Schicksal der jüdischen Bevölkerung in der Region, Antisemitismus und vergessener Kultur. Der ganze Abend wurde in belarussisch moderiert, das Programm nur in belarussisch gedruckt. Das Interesse war groß, der Saal übervoll. Das Bedürfnis, der eigenen Vergangenheit auch in der Musikgeschichte nach zuspüren ist immens, und so war auch die Begeisterung: Nach zwei Zugaben gab es noch immer stehende Ovationen.

Das Ensemble, sein Programm und seine Anhänger sind ein weiterer Mosaikstein in der immer wieder ambivalenten Wahrnehmung von Belarus: So erhält dieses staatliche Orchester, das vom Kulturministerium von Belarus finanziert wird, zugleich Sponsorenmittel des hier stark in der offiziellen Kritik stehenden Polnischen Kulturinstituts. Auch wenn die staatliche Förderung für die nationale belarussische Kultur nicht ausreicht, wie viele Intellektuelle beklagen, so sind solche Konzerte doch ein Lichtblick. Und auch wenn die reiche Geschichte der jüdischen Bevölkerung und Kultur in der Region sicher nicht zu den Mainstream-Themen gehören, so gibt es eine Nische. Wie komplex die Situation ist, zeigt das gemischte Publikum unterschiedlichen Alters und Hintergrundes, darunter übrigens auch einige wenige Vertreter staatlicher Behörden.

Museen als Bildungsorte des 21. Jahrhunderts – Seminarreihe im Goethe-Institut

Mit dem Seminar „Zeitgeschichte in Museen“ hat am Freitag die Seminarreihe zu Fragen des Ausstellungs- und  Museumsmanagements im Goethe-Institut begonnen. Die Referentin, Dr. Irmgard Zündorf vom Zentrum für Zeithistorische Forschung (Potsdam) berichtete den 25 Teilnehmern aus verschiedenen Minsker und regionalen Museen über die Erinnerungslandschaft in Deutschland und wie diese sich in Diskursen (z.B. über die Gedenkstättenkonzeption) und Museen widerspiegelt.

Die komplexen Strukturen in Deutschland zwischen Föderalismus und Bund sowie Aufarbeitung der NS- und DDR-Vergangenheit riefen zunächst viele Nachfragen hervor. In den teilweise sehr lebhaften Diskussionen und Gruppenarbeitsphasen entstanden dann aber sehr differenzierte Entwürfe für die Situation im eigenen Land mit sehr konkreten Vorschlägen, wie zum Beispiel der Stärkung regionaler Strukturen gerade im Kulturbereich, wie es in letzter Zeit schon ansatzweise zu beobachten ist.

Die Veranstaltung konnte das Bewusstsein dafür schärfen, dass es zeitgeschichtliche Museen im deutschen Sinne in Belarus gar nicht gibt, sondern allenfalls temporäre Ausstellungen zu einzelnen Aspekten der jüngsten Geschichte. Der Hinweis auf die eine, hochaktuelle Ausnahme, das „Museum der belarussischen Staatlichkeit“ (dessen Eröffnung unmittelbar bevorsteht), das keiner kennt und bis auf weiteres auch keiner besuchen darf, machte die dafür verantwortlichen kultur- und geschichtspolitischen Verantwortlichkeiten einmal mehr deutlich. Überhaupt verlief die Diskussion sehr offen, mit viel Humor und Kreativität. So wurden als neue zeithistorische Museen im Falle völliger Planungsfreiheit folgende Ausstellungen vorgeschlagen: Ein Museum der Geschichte der Republik Belarus, in dem die leeren Regale und Schlangen vor den Wodkaregalen Anfang der 90er Jahre gezeigt werden könnten, um die aktuelle Situation umso heller erstrahlen zu lassen, ein Museum der Biographien, das den individuellen Umgang mit der jüngsten Entwicklung exemplarisch dokumentieren würde, ein Museum der BSSR mit einem ähnlich nostalgischen Konzept wie die privaten DDR-Museen in Deutschland, ein Museum des gegenwärtigen belarussischen Films, das ohne Objekte auskommen müsste, da die Requisiten regelmäßig im Auftrag privater Sammler aus den Filmstudios gestohlen würden oder ein Museum des Schmuggels, das den eigentlich wahren Kern der belarussischen Identität dokumentieren würde, da das Land seit jeher als Transitgebiet zwischen den übermächtigen Nachbarn fungiere.

Das nächste Seminar wird sich am 13. April mit strategischem Marketing und Tourismus beschäftigen.

Konferenz „Verbrannte Dörfer“ in Belarus/Weißrussland

Vom 15.-17. Mai findet im Museum des Großen Vaterländischen Krieges eine Konferenz zur Thema der „verbrannten Dörfer“ in Belarus statt. Informationen sind auf der Website des Museums zu finden.

Als Mitglied des sog. Orgkomitees erlebe ich dabei mal wieder eine Lehrstunde der belarussischen Konferenzvorbereitung und –organisation. Wichtiger als formale Aspekte ist aber das geplante Programm. Leider sieht es so aus, als stünden letztlich weniger die Dörfer, als die „Zivilgesellschaft im Krieg“ im Vordergrund. Das hieße, dass das noch immer brisante Thema der verbrannten Dörfer wahrscheinlich wieder nicht ausgeleuchtet wird, sondern in einer breit angelegten und damit sehr allgemeinen Betrachtung der Bevölkerung im Krieg untergehen wird.

Seminare zum Ausstellungs- und Museumsmanagement

Auch in diesem Jahr wird es wieder eine Reihe von Veranstaltungen für Mitarbeiter/-innen von weißrussischen Museen am Goethe-Institut geben. Anders als im letzten Jahr wird eine regelmäßig tagende Arbeitsgruppe zusammenkommen, die sich aus einem festen Teilnehmerkreis zusammensetzt. Die Museumsfachleute erhalten am Ende ein Zertifikat über ihre Teilnahme, ausgestellt vom Goethe-Institut, ICOM und Tradicia History Service. Darüber hinaus finden zwei mehrtägige Workshops zur Vertiefung einzelner Themen statt.

Der Ausschreibungstext zur Bewerbung um die Teilnahme ist ab heute in deutscher, russischer und belarussischer Sprache auf der Website des Goethe-Instituts zu finden.

Außerdem habe ich in der vergangenen Woche mit meinem „Speckurs“ zum Thema Ausstellungsmanagement an der Historischen Fakultät am Lehrstuhl für Museumswissenschaften der Staatlichen Universität begonnen. Eine durchaus lohnende Erfahrung: Die Studierenden sind engagiert und saugen den Stoff praktisch auf, zur Bearbeitung von Texten, Websites etc. kann ich auf deutsche, englische und französische Sprachkenntnisse zurückgreifen, die Technik (Beamer, WiFi) hat bis jetzt einwandfrei funktioniert.

Weniger erfreulich sind das Honorar (10.0000 Rubel (ca. 1 €) pro Stunde), nur mäßig geheizte Räumlichkeiten mit zwar vielen PCs, dafür aber keiner Tafel, einer Flipchart o.ä., die nicht vorhandene Fachliteratur für einen Handapparat und die Organisation seitens der Uni. Dafür ist es umso erstaunlicher, dass sich aber auch inhaltlich niemand um mich kümmert, sprich: ich bin vollkommen frei in der Wahl meiner Seminarinhalte und Beispiele, incl. uneingeschränktem Zugang zum Internet. Auch hier also wieder die so oft zu beobachtende Ambivalenz: Ein insgesamt zu niedriges Niveau, nicht nachvollziehbare Strukturen und vor allem die eingeschränkte Freiheit zu Forschung und Lehre behindern den Beitritt des Landes zum Bologna-Prozess. Eine Kontrolle oder Aufsicht ausländischer Referenten, so jedenfalls meine eigene Erfahrung, findet offenbar nicht systematisch statt.

Nochmal: Buchmesse in Minsk

Im Rahmen der Buchmesse ist Frau Katharina Raabe, Leiterin des Osteuropa-Programms im Suhrkamp Verlag zu Gast in Belarus, um sich einen Eindruck von der Literatur des Landes zu machen. Am Freitag, den 10. Februar, 19.00 Uhr, wird sie in der Galerie Ў gemeinsam mit dem Schriftsteller Artur Klinau sowie den Autorinnen Volha Hapeyeva und Maryia Martysevich zum Thema „Literatur grenzenlos?“ diskutieren.

Mehr Informationen unter: http://www.goethe.de/ins/by/min/ver/de8791289v.htm

Bücher in Belarus/Weißrussland

Der heutige Beginn der XIX. Buchmesse in Minsk (8.-12.2.) sei Anlass darauf hinzuweisen, dass der Präsident dieses Jahr zum Jahr des Buches ausgerufen hat. Neben Veranstaltungen auf der Buchmesse wird es verschiedenen Ausstellungen in Belarus und im Ausland, Konferenzen und eine verstärkte Publikationstätigkeit geben sowie die Feier des 80. Jahrestages des Schriftstellerverbandes. Das Literaturportal Litkritika hat einen Wettbewerb ausgeschrieben.

Zum Programm des Buchjahres gehört auch die Förderung belarussischer Literatur. Dies fügt sich gut, denn in diesem Jahr wird ebenfalls der jeweils 130. Geburtstags der Nationaldichter Jakub Kolas (1882-1956) und Janka Kupala (1882-1942) begangen, zu deren Jubiläen zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, darunter auch auf der Buchmesse und in der Nationalbibliothek.

Gerade hat eine Buchhandlung im Zentrum eröffnet, die insbesondere Bücher belarussischer staatlicher Verlage anbietet. Insgesamt machen die Titel in belarussischer Sprache aber nur 10 % der Buchproduktion aus, eine reale Spiegelung der Sprachensituation im Lande. Ca. 120 Bücher erscheinen im Jahr auf weißrussisch, alle unter staatlicher Kontrolle.

Nicht zur Förderung der belarussischen Literatur passt die Meldung von BelaPan (31.1.) zur bevorstehenden Schließung der Abteilung für belarussische Literatur in der Vitebsker Regionalbibliothek.

11.11.2011 – Erinnerung an den Ersten Weltkrieg

Mitglieder einer Re-Enactment-Gruppe in Uniformen deutscher Soldaten des Ersten Weltkrieges.

Ein neuer Wind weht, was die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg betrifft. Ich hatte an dieser Stelle schon berichtet, dass in diesem Jahr der Friedhof im nördlichen Stadtzentrum für Gefallene bzw. im Krankenhaus verstorbene Soldaten wieder hergestellt wurde. Damit ist dieser wohl der einzige Friedhof des Ersten Weltkrieges im GUS-Raum, der so aufwändig und gezielt als Erinnerungsort angelegt wurde.

Dort fand nun am 11.11., dem Gedenktag an das Ende des Großen Krieges, unter dem Motto „Tag der Versöhnung“ (dreispachig in russisch, deutsch und englisch!) eine Gedenkfeier statt. Schon einmal hatte es 2008 eine Gedenkfeier am 11.11. in Baranoviči gegeben, die jedoch bei weitem nicht so aufwändig gestaltet war.

Einer kurzen Andacht von Geistlichen mehrerer Konfessionen in der kleinen Kapelle folgten Reden des belarussischen Informationsministers, des ungarischen (!) Botschafters sowie des Verteidigungsattachés der Russischen Föderation. Der deutsche Botschafter legte einen Kranz nieder, Vertreter russischer Kosakenverbände und verschiedene Einzelpersonen legten Blumen nieder. Die Zeremonie wurde durch die Anwesenheit von Vertretern einer Reenactment-Gruppe in deutschen und russischen Weltkriegsuniformen eingerahmt und mit Salutschüssen und einer Militärkapelle begleitet.

Im Anschluss fand ein Austausch von Meinungen zur Erinnerung an den Weltkrieg in der „Mitso“-Universität statt. Angekündigt war eine Konferenz, allerdings handelte es sich eher um eine Veranstaltung im Gedenken an die Soldaten des Krieges, die ebenso übrigens wie die Soldaten des „Großen Vaterländischen Krieges“ für Ihre Heimat gestorben seien. Angekündigt wurde die Errichtung einer neuen Gedenkstätte, die zum 100. Jahrestag de Kriegesbeginn eingeweiht werden soll.

Auch eine bekannte Talk-Show widmete sich immerhin eine ganze Stunde dem Ersten Weltkrieg. Unter der Leitung des Moderators Vjacheslav Bondarenko, einem Schriftsteller und Journalisten, der sich durch mehrere Publikationen zum Ersten Weltkrieg insbesondere in Belarus, hervorgetan hat („Vergessene Schlachten des Russischen Imperiums in Belarus“, 2010), befragte Historiker, Hobbyforscher, Militärvertreter und ausländische Militärattachés. Die Sendung war am 14.11.2011 auf ONT zu sehen.

Den Abschluss des Tages bildete ein Empfang des Verteidigungsministeriums, der in zahlreichen Toasts die Versöhnung zum 93. Jahrestag des Krieges besiegelte.