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Erstes belarussisches Museumsforum in Grodno

Foto: http://www.grodnonews.by/ru/0/13217/news

Nach offiziellen Angaben haben am ersten Museumsforum des Landes, das vom 12.-14. Oktober in Grodno stattgefunden hat und vom Kulturminister eröffnet wurde, 17 Nationen teilgenommen, darunter Russland, Litauen und Deutschland. Der Minister betonte, dass es um den Austausch zwischen den 1.914 Museen des Landes ging, von denen „nur“ 156 zum Kulturministerium gehörten. (Dazu muss man wissen, dass jedoch alle anderen Museen ebenfalls an die Vorgaben des Ministeriums gebunden sind.)

Das Forum bot einen guten Überblick und Einblick in die Arbeit von ca. 150 Museen. Das Angebot reichte von der Vorstellung der Museen über die Darbietung von traditionellen Handwerkstechniken und Bräuchen bis hin zum Verkauf von museumseigenen Publikationen. Besonders beeindruckt haben mich die Stände der kleinen Museen, wie z.B. des Stadtmuseums Gomel oder des Heimatmuseums Rečica. Bilder von der Ausstellung mit der durchaus modernen Gestaltung finden sich auf der Website des Museums. Thema der Darstellung war die durchaus eindrucksvolle Tätigkeit des Museums auf dem Feld der experimentellen Archäologie. Sie waren durchweg kreativer in ihren Präsentationen, als die großen, etablierten Museen und Museumskomplexe.

Enttäuschend dagegen war das Rahmenprogramm, das letztlich „nur“ die Präsentation weiterer Museen (z.B. aus Österreich und Israel), Konzerte sowie organisierte Museumsbesuche beinhaltete. Podiumsdiskussionen oder Expertengespräche gab es keine.

Ungünstig waren auch die Räumlichkeiten in einem Stadion, das man erstmal durchqueren musste, um überhaupt zur Museumsmesse zu kommen. Wer es nicht wusste, hätte es wohl kaum gefunden.

Freitag war die Messe dem Fachpublikum vorbehalten, am Wochenende stand sie allen Besuchern offen. Gar nicht beteiligt war die nationale Sektion von ICOM, was zum einen mit persönlichen Animosität zwischen den verantwortlichen Damen hier wie dort zusammenhängt, aber natürlich auch mit der Dominanz des Kulturministeriums über die gesamte Museumsszene. Internationale, kritische und nicht planbare Beiträge, etwa in Diskussionsrunden, sind da nicht erwünscht.

Trotz aller Kritik ist die Veranstaltung aus meiner Sicht trotzdem als gelungen anzusehen, wobei ich mir für die Zukunft mehr Informationen für Museumsprofis, weniger für den „Allgemeinbesucher“ wünsche. Es ist geplant, das Forum alle zwei Jahre in einer anderen belarussischen Stadt abzuhalten.

200 Jahre Napoleon – zahlreiche Veranstaltungen in Belarus/Weißrussland

Eine Postkarte aus der Sammlung von V. Lichodedov. http://www.rg.ru/2012/07/19/saltanovka.html

Etwas spät, aber doch noch rechtzeitig vor Ablauf des Jubiläumsjahres, möchte ich die wirklich erstaunliche Aufmerksamkeit hervorheben, die das Land den Ereignissen von 1812 widmet. Die ist insofern bemerkenswert, als der Krieg hier in Belarus vielfach als ein Kampfgeschehen gesehen wird, mit dem die Weißrussen nichts zu tun hatten  – war es doch ein Krieg des Russischen Reiches. Dazu passt, dass man sich gelegentlich von der in der russischen und vorher sowjetischen Historiographie gebräuchlichen Bezeichnung “Vaterländischer Krieg” distanziert. Auf der anderen Seite nutzt man den Jahrestag und erinnert an die Ereignisse, die sich auf dem Gebiet der eigenen Heimat abgespielt haben, und verleiht dieser Form der Erinnerung damit einen nationalen Anspruch.

Bereits im März des Jahres hatte es seine Konferenz von Vertretern des Militärs aus Russland und Belarus gegeben, um die laufenden und weiteren Maßnahmen sowie Forschungsprojekte zu besprechen. Alle Projekte und Vorhaben zum 200. Jahrestag des russisch-französischen Krieges, so das Außenministerium im Mai, dienten der Versöhnung in Europa und dem gemeinsamen historischen Erbe.

Zu den zahlreichen Maßnahmen gehören neben Ausstellungen in verschiedenen Museen und der Nationalbibliothek, Reenactment und Konferenzen auch eine gemeinsame Grabung von belarussischen und französischen Experten am Ort des Geschehens an der Berezina. Dabei sollen sowohl Massengräber als auch Reste von Brücken und militärischen Anlagen gesucht werden. Unterstützt werden die Archäologen von einem Experten des 52. Unabhängigen Suchbataillons der Armee. Auf belarussischer Seite geht man davon aus, dass 25.000 bis 30.000 Weißrussen in der Armee Napoleons gedient haben könnten.

Im Juli fand in der Nähe von Mogiljov eine feierliche Zeremonie zur Beisetzung  der Überreste von drei russischen Soldaten statt, die im Kampf gegen die französische Armee 1812 ihr Leben verloren hatten. Dabei wurde hervorgehoben, dass die Einwohner sich hier tapfer gegen die napoleonische Armee gestellt hatten und diese nicht, wie in vielen anderen Orten, freudig mit Brot und Salz begrüßt haben.

Das Touristenbüro hat einen eigenen Führer zu den historischen Orten von 1812 herausgegeben. Er informiert über lokale Denkmäler und Obelisken, Orte, an denen Napoleon sich aufgehalten hat (z.B. im Gouverneurspalast in Vitebsk) und verweist auf Veranstaltungen und Museen (wie z.B. das Museum im Haus von Pjotr Bagration in Volkovysk). Bemerkenswert ist, dass auch auf ein Denkmal für die russischen Juden hingewiesen wird, das sich in Brilevskoe Pole findet. Besonders hervorzuheben ist die Festung in Bobrujsk.

Von den zahlreichen Artikeln in den Zeitungen möchte ich eine Serie in der Zeitung „Sojuz. Belarus’ – Rossija“ hervorheben. Der eher langweilige Text erzählt die Ereignisse von 1812 nach, ohne Quellen oder sonstige Hinweise. Interessant sind aber die Abbildungen von Postkarten zu 1812 aus der offenbar privaten Sammlung von Vladimir Lichodedov, einen vielfach ausgezeichneten Historiker. Im Juni wurde seine graphische Sammlung zu 1812 im Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk gezeigt.

Neben einer Konferenz im Dezember, zu der auch internationale Experten (u.a. vom DHI Moskau) eingeladen sind, steht im November noch eine „Historische Rekonstruktion“ in Studenka auf dem Programm.

Das Victoria & Albert Museum zu Gast in Belarus

„Zu uns kommen die Könige“, so lautete die Überschrift eines Artikels über die aktuelle Präsentation des Londoner Museums im Nationalen Kunstmuseum (WHERE MINSK 8/2012, S. 12). Ganz Minsk ist mächtig stolz auf diese Ausstellung und an einem Besuch führt kein Weg vorbei. Noch bis zum 4. November ist die Ausstellung „Königliche Kostbarkeiten: Europäische Schätze 1600-1800“ in Minsk und im Schloss Nezvizh zu sehen. Die thematisch gegliederte Schau zeigt über 40 Exponate, darunter Gemälde, Skulpturen, Keramik, Glas, Möbel, Textilien und Kleidung aus Großbritannien, Belgien, Frankreich, Holland und anderen europäischen Ländern.

Genau genommen sind alle ganz aus dem Häuschen wegen dieser Ausstellung und das hat wohl mehrere Gründe. Zum einen kommt es leider recht selten vor, dass ein wirklich bedeutendes europäisches Museum mit einem belarussischen Museum in diesem Maßstab kooperiert. In den letzten Jahren jedenfalls hat es keine nennenswerte Ausstellung aus einem westeuropäischen Museum oder ein vergleichbares Gemeinschaftsprojekt gegeben. Und wenn es dann eben doch mal dazu kommt, wie jetzt in diesem Fall, dann ist das auch ein Grund zum Feiern. Für die Kultur- und Museumsszene jedenfalls lassen sich die Reaktionen so zusammenfassen: Es gibt uns auch noch und wir haben auch etwas zu bieten! (Was stimmt!)

Das ist auch der zweite Grund für die fast euphorischen Besprechungen der Ausstellung: Letztlich zeigt die Ausstellung aus London doch nur, dass Belarus heute wie schon immer ein Teil Europas ist. Dies zeige sich, so eine Besprechung,  insbesondere in dem Ausstellungsteil in Nezvizh, wo der Besuch der erst in diesem Jahr eröffneten Räumlichkeiten der Besichtigung der Exponate aus London in keiner Weise nachsteht. Nicht grundlos ist Nezvizh zudem auch die Kulturhauptstadt Weißrusslands in diesem Jahr. Und man ist stolz, dass Minsk die bisher erste Station der Ausstellung in Europa ist!

Drittens schließlich scheinen die für internationale Ausstellungen üblichen und daher meist nicht erwähnenswerten Standards der Präsentation (Licht, Klima, Sicherheit etc.) in Belarus den einen oder anderen Museumsprofi wieder daran zu erinnern, dass die Beachtung eben jener Standards auch den belarussischen Kostbarkeiten in den Ausstellungen ganz gut täte. Genauso scheint es mit der Beschriftung zu sein: Als außergewöhnlich wird hervorgehoben, dass man die Ausstellung mit Hilfe der Objektschilder, also ohne Führung, besichtigen und begreifen kann! Leider sind weder das eine noch das andere die Regel in Belarus, und man wundert sich des Öfteren über den sorglosen Umgang mit den eigenen Sammlungen.

Welche Gründe die Besucher auch immer haben, zu dieser Ausstellung kommen offenbar täglich 500 Besucher, so berichtet der Medienpartner „Sovetskaja Belarus“ . Es wären Belarus mehr solcher Großprojekte für die Sicht über den Tellerrand zu wünschen!

Historisch-Archäologisches Museum Grodno

Der Ausflug nach Grodno führte mich auch in das dortige Geschichtsmuseum. Es befindet sich in Teilen des Neuen und Alten Schlosses im historischen Zentrum der Stadt und beherbergt auch das Naturkundemuseum. Alles ist ein bisschen verstaubt und die so mancher Vitrine sieht man an, dass sie vor sehr langer Zeit eingerichtet wurde. Aber auch hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen ihr Museum lieben, die Aufsichtsdamen über „ihre“ Räume vieles wissen, was man nirgends lesen kann und ihre Schätze mit Herzblut bewachen.

Das Museum wurde 1920 gegründet, als man begann, eine eigene Sammlung aufzubauen. Herausragende Exponate finden sich in der archäologischen Sammlung, die Fundstücke von Ausgrabungen aus dem 12.-15. Jh. umfasst. Außerdem lohnen sich eine intensive Betrachtung der ethnographischen Abteilung, der Numismatik und der umfangreichen Ikonensammlung. Im historischen Bereich sind die Kapitel zur Geschichte des Großfürstentums Litauen hervorzuheben, zu dessen Geschichte sich hier einige interessante Exponate finden, wie verschiedene Schriftstücke in alter belarussischer Sprache aus dem 16. Jh., Einrichtungsteile aus dem Königspalast in Grodno oder ausdruckskräftige und detailreiche Stadtansichten.

Immer wieder ein bisschen überraschend ist die hierzulande häufige Verbindung mit dem Naturkundemuseum, das aber auch hier mit viel Liebe gestaltet ist. Der Große Vaterländische Krieg nimmt hier einen überraschend kleinen Raum ein und fällt in der Ausführlichkeit seiner Darstellung gegenüber anderen Bereichen ab.

Eine eigene Website hat das Museum nicht. Informationen finden sich im Eintrag in das Museumsregister sowie hier. Außerdem gibt es eine belarussisch-englische Hochglanzbroschüre. Das ist insofern bemerkenswert, als Informationsmaterial über die Museen von den Museen selbst hier noch einen Seltenheitswert haben, insbesondere, wenn sie, wie in diesem Fall, Raumpläne, eine Ausstellungsbeschreibung und Objektfotos enthalten. Als Individualbesucher hilft das schon sehr viel weiter, denn mit Texten sieht es auch hier nicht gut aus. Neben klassischen Führungen bietet das Museum Programme für Kinder, Schulen und Familien an.

Die einzige evangelische Kirche in Belarus

Bisher bin ich noch gar nicht dazu gekommen, über einen weiteren Ausflug raus aus der Hauptstadt zu berichten, nämlich nach Westen an die polnische Grenze, nach Grodno. Anlass für diese Reise war die 100-Jahr-Feier der dortigen evangelischen Kirche (was übrigens auf russisch auch so heißt, wenn eine protestantische Gemeinde gemeint ist).

Die dortige Gemeinde mit ihrem jungen Pfarrer Wladimir Tatarnikow ist die einzige in Belarus, die über ein eigenes Gotteshaus verfügt. Die anderen, wenigen protestantischen Gruppen von Gläubigen, treffen sich in wechselnd angemieteten Räumen, wie z.B. in Minsk, wo im Winter kein Gottesdienst stattfinden, weil nicht geheizt werden kann. Die evangelische Kirche des Landes ist zersplittert in eine selbständige Lutherische Kirche, einige unabhängige Gemeinden und die lutherische Gemeinde in Grodno, die enge Beziehungen zur EKD unterhält.

Der vormalige deutsche Botschafter, Dr. Christof Weil, hatte sich persönlich für die Erhaltung der St. Johanniskirche eingesetzt, der jetzt finanzielle Mittel aus Deutschland von der EKD, dem Auswärtigen Amt, der Evangelischen Kirchengemeinde in Berlin-Frohnau sowie privater Sponsoren zukommen. Neue Kirchenbänke kamen von einer Gemeinde in Hannover. Die Kirche war 1779 von deutschen Kaufleuten gegründet und 1912 neu gestaltet worden. Zwischen 1944 und 1994 befand sich dort ein Archiv. Erst 1995 erhielt die kleine Gemeinde das Gotteshaus zurück.

Bei der Feier am 10. Juni waren viele Deutsche, meist aus Minsk, aber auch viele Einwohner Grodnos, je ein Vertreter der orthodoxen und der katholischen Kirche sowie die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde in Berlin-Frohnau anwesend. Allein der Vertreter der streng gläubigen jüdischen Gemeinde war nicht anwesend. Nach einem Gottesdienst blieb es dem Nuntius des Papstes überlassen, das Ereignis auch politisch einzuordnen. Mit den Worten „Unsere Dimension ist die Ewigkeit“ verwies er alle Versuche politsicher Einmischung und Beeinträchtigung des religiösen Lebens in Belarus von sich.

Weitere Informationen: Belarus-Perspektiven 2/2012, S. 25. http://www.ibb-d.de/belarus_perspektiven.html und http://zetgrodno.com/lyuteranskaya-kirha-v-grodno

Evangelisch-Lutherische St.Johanniskirche, Evangelisch-Lutherische Gemeinde Grodno
Wladimir Tatarnikow, Gemeindepastor
Adresse: 230023 Grodno, Akademitscheskaia st.7 A. Belarus
www.luther.by, http://www.belaruslutheran.com

Евангелическо-Лютеранская Церковь св.Иоанна, Евангелическо-Лютеранская община Гродно
Владимир Татарников, пастор
Адрес: 230023 г. Гродно, ул. Академическая 7А. Беларусь
www.luther.by, http://www.belaruslutheran.com

Geldsegen für die Kultur

118.000 $ (996,5 Millionen Rubel) stellt der Präsident für “sozial relevante” Kulturprojekte aus dem Präsidentenfond bereit.

Auch die Museen sollen berücksichtigt werden: Das Nationale Kunstmuseum und das Minsker Stadtmuseum erhalten Zuschüsse für Publikationen, das Theatermuseum für den Ankauf einer Plakatsammlung, das Polocker Museumskomplex für den Ankauf von Gemälden und das Smorgonsker Heimatmuseum für eine Büste.

Was den Präsidenten zu dieser Wohltat bewogen hat, nach welchen Kriterien er die Fördermittel zugesprochen hat und was unter „sozial relevant“ zu verstehen ist, bleibt freilich des Präsidenten Geheimnis.

Dudutki

Nun habe ich es endlich auch mal in eines der wenigen Privatmuseen des Landes geschafft, nämlich in das Freilicht- und Traditionsmuseum Dudutki, das auch über eine deutsche Website verfügt. Ob man hier freilich von einem Museum sprechen kann, kann man sicher diskutieren – Exponate gibt es jedenfalls nur sehr wenige, die man zudem oft gar nicht als solche erkennt, weil sie nicht bezeichnet, geschweige denn erklärt sind.

Aber es muss ja auch nicht immer Bildung sein, Museen sind ja schließlich auch zur Unterhaltung da, und davon gibt es einige in Dudutki. Den verschiedenen Gewerken sind jeweils eine oder auch mehrere Hütten gewidmet, in denen man den Meistern bei der Arbeit zusehen und eine Souvenirwahl aus einem wahrlich großen Angebot wählen kann. Am Eingang findet sich jeweils ein Text, der das Handwerk, seine Werkzeuge und Techniken erläutert – übrigens alles auf russisch, was mich erstaunt hat, geht es doch um spezifisch belarussische Traditionen und Rituale. Die Website ist dagegen auf belarussisch gehalten sowie, mit Einschränkungen, auf englisch.

Originell ist die Idee der traditionellen Käserei und Molkerei, wo jeder Besucher mit seiner Eintrittskarte eine Kostprobe selbstgemachten Käses und Brotes bekommt. Wer mehr Hunger hat, kann im Museumscafé weitere Speisen bestellen, Speck, Gurken und Wodka probieren oder eine Picknickhütte belegen und seine mitgebrachten Speisen verzehren.

Für Kinder wie auch für Erwachsene gibt es eine Runde auf dem Pferderücken oder eine Fahrt im Bollerwagen oder einer hochherrschaftlichen Kutsche. Dieses Erlebnis wird freilich im Eindruck getrübt durch die Kombination der hohen, weißen Kalesche mit einem kleinen braunen Pony. Mit diesem Gespann kann man die größere Wegstrecke zur nahegelegenen Kirche nebst Freigehege für Ziegen, Schafe, Schweine und Kälber zurücklegen oder bis zur Windmühle fahren. Auch hier gibt es dann noch einmal die Möglichkeit, eine traditionelle belarussische Hütte mitsamt Einrichtung, Ausstattung und in Trachten gekleideter Bewohner zu besichtigen.

Alles in allem lohnt sich die Fahrt in das etwa 65km von Minsk gelegene Dudutki für die ganze Familie. Wie beliebt dieser Ort ist, zeigte sich an dem am Wochenende voll besetzten Parkplatz, auf dem u.a. viele Busse und Autos aus Russland zu sehen waren.

Museumsforum in Grodno vom 12.-14. Oktober 2012

Auf Initiative des Kulturministeriums wird im Oktober erstmals eine Museumsmesse in Belarus stattfinden, wie die Stellvertretende Vorsitzende der Abteilung für Kultur-Institutionen und Volkskunst des Ministeriums, Svetlana Gavrilova, mitteilte.

Ziel des Forums, so heißt es offiziell, das im Rahmen des Kulturförderprogramms 2011-2015 initiiert wird und alle zwei Jahre stattfinden soll, ist die Stärkung der Museen, ihrer Aktivitäten und Mitarbeiter. Darüber hinaus soll das allgemeine Interesse für die vielfältigen Angebote im Museumsbereich geweckt und gefördert werden. Das Programm wird Ausstellungen, einen Wettbewerb, Seminare und Konferenzen umfassen. Offiziell rechnet man mit großer internationaler Beteiligung.

Ob diese ehrgeizigen Ziele erreicht werden, wird sich zeigen. Museumsmitarbeiter und Kritiker äußern sich eher skeptisch mit Blick auf die Organisation und das Programm. Die belarussische Sektion von ICOM wurde bisher gar nicht offiziell informiert. Zwar ist nachvollziehbar, dass durch die Wahl des Veranstaltungsortes Grodno die Provinz gestärkt werden soll. Auf der anderen Seite ist jedoch für viele Museen eine Reise nach Minsk attraktiver und auch ergiebiger. Freilich werden sie keine Wahl haben, da alle Museen verpflichtet sind, sich auf dem Forum zu präsentieren. Zudem bedauern viele, dass es sich im Format um eine Kopie der Moskauer Museumsmesse InterMuzej handelt und bisher kein eigenes, belarussisches Profil erkennbar ist.

Trotz dieser Kritikpunkte ist die Initiative des Kulturministeriums, die Museumslandschaft zu stärken, natürlich zu begrüßen. Ob und welchen Nutzen das Forum letztlich für die Museen hat, bleibt abzuwarten.

Repin in Weißrussland

Foto: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/b8/Belarus-Zdrawneva-Manor_of_Ilya_Repin-1.jpg/800px-Belarus-Zdrawneva-Manor_of_Ilya_Repin-1.jpg

Zwischen 1892 und 1902 hat der russische Maler Ilja Repin die Sommermonate in seinem Landhaus in Zdravnevo, unweit von Vitebsk, im heutigen Belarus verbracht. Sein Vater ist in einem Dorf in der Nähe beerdigt. Heute befindet sich in dem Landhaus ein Museum, eine Filiale des Regionalmuseums Vitebsk.

Die Räume sind mit zeitgenössischen Möbeln und Einrichtungsgegenständen hergerichtet. Außerdem gibt es Dokumente, Fotos, Briefe und persönliche Gegenstände des Künstlers und seiner Familie aus dieser Zeit. Originale Werke von Repin gibt es hier nicht zu sehen, allein einige Reproduktionen zieren die Wände. Um originale Werke des führenden „Wandermalers“ zu sehen, muss man aber nicht bis Moskau reisen, sondern kann sich einige davon im Kunstmuseum Vitebsk ansehen. Im Werk Repins gibt es immer wieder Bezüge zu Weißrussland, darunter sein berühmtes Gemälde „Der Belarusse“ von 1892 (Russisches Museum St. Petersburg).

Übrigens gibt es in Belarus auch eine kleine Stadt mit dem Namen „Repin“, im Gebiet Gomel’, die mit dem Sommersitz des Künstlers nichts zu tun hat.

Das Kunstmuseum Vitebsk

Das Vorurteil, in der Provinz lohne sich der Museumsbesuch erst gar nicht, ist in Bezug auf Russland in Fachkreisen längst überholt. Ganz im Gegenteil: Oft gibt es abseits der Metropolen wahre Schätze zu entdecken. Hängt man das Maß nicht all zu hoch und erwartet keine kunsthistorischen Sensationen, dann sollte man seine Vorgenommenheit auch in Belarus ablegen. In Vitebsk jedenfalls gab es einiges im Kunstmuseum zu entdecken, angefangen von den Beständen, bis hin zur Ausstattung des Museums.

Als Filiale des Regionalmuseums befindet sich das Kunstmuseum seit 1992 im Gebäude des ehemaligen Amtsgericht aus dem 19. Jh. Die Sammlung umfasst verschiedene in den 20er Jahren verstaatlichte Privatsammlungen sowie die Werke, die das Museum nach 1945 systematisch zusammengetragen hat. Die Sammlung umfasst Ikonen, Gemälde, Graphik, Holzschnitzereien, religiöse Objekte und Skulpturen. Unter den Gemälden sind einige Werke niederländischer und italienischer Künstler des 16.-18. Jh. zu nennen sowie eine durchaus bemerkenswerte Sammlung russischer Kunst aus dem 19. Jh., darunter  Ivan Aivazovsky und Ilja Repin, sowie aus dem 20. Jh. Werke von Vasilij Kandinsky, Marc Chagall, A. Lentulava, A. Kuprin, V. Rosanow, Natalja Gontscharowa u.a.

Einzigartig aufgrund ihres regionalen Bezugs und ganzer Stolz des Museums ist die Sammlung von 800 Werken M. Pengs, die 1939 ins Museum kam. Dem Lehrer Chagalls ist ein eigener Saal gewidmet und bestätigt einmal mehr, wie wichtig es für Chagall-Liebhaber ist, nach Vitebsk zu reisen. Da die Sammlung des Museums im Zweiten Weltkrieg überwiegend verloren ging, ist es ebenso wunderbar wie unverständlich, wie diese Sammlung den Krieg überstanden hat.

Die Räumlichkeiten des Museums sowie die Architektur sind vor Kurzem restauriert und modernisiert worden, wenn gleich die Mittel für eine Klimatisierung offenbar nicht gereicht haben. Insgesamt macht das Museum einen modernen und offenen Eindruck. Wie fast immer fehlen leider auch hier einführende Texte, es gibt weder einen Audioguide noch Informationstexte oder eine Broschüre zum Mitnehmen, von einem Katalog ganz zu schweigen. Neben der Dauerausstellung veranstaltet das Museum regelmäßig Wechselausstellungen, die mal mehr, mal weniger zum Thema des Hauses passen. Hier entscheidet, wie in den meisten belarussischen Museen, die Miete, die der Veranstalter für die Räumlichkeiten zahlt.