„Nachkriegsfrühling“ – eine gelungene Sonderausstellung im Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges

Derzeit zeigt das Museum des Großen Vaterländischen Krieges die dritte aus einer Reihe von Sonderausstellungen , deren Exponate in der Bevölkerung per Aufruf gesammelt wurden. Dieses Mal sind es Kleider und Accessoires für die Dame in den beiden Jahrzehnten nach dem Krieg. Dabei sind einzigartige Ausstellungsstücke zusammengekommen: handgenähte Kleider und Abendtaschen, Familienschmuck, der den Krieg wie auch immer überstanden hat, frühe Importe, u.a. aus Tschechoslowakei und der DDR, Gummiüberschuhe zur Schonung der einzigen Abendschuhe, Haarschmuck, Fotografien und vieles mehr.

Man kann auch bei dieser Ausstellung wieder vieles bemängeln, was nicht dem internationalen Standard entspricht. Sieht man von Beleuchtung, Präsentation, technischer Ausstellung etc. ab, so bleibt, wie fast immer, zu beklagen, dass es keinerlei Texte gibt. Damit fehlt jede Einordnung in den historischen Kontext, aus dem wir entnehmen könnten, wie es um die weibliche Bevölkerung nach dem Großen Vaterländischen Krieg stand, woher unter den gewaltigen Herausforderungen der Nachkriegszeit die Kleider und Stoffe kamen und wie sich das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Friedenzeiten neu entwickelte, zu dessen Veranstaltungen die Kleider getragen wurden.

Man kann sich aber auch einlassen auf das Konzept dieser liebenswerten Ausstellung, in der einem angesichts des im übrigen Museum so bedrückenden Themas das Herz aufgeht. Für fast jedes Exponat findet sich eine kleine persönliche Geschichte darüber, von wem es stammt und unter welchen Umständen es entstanden oder in die Familie gekommen ist. Während man die teilweise einfach nur schönen oder anrührenden Erinnerungsstücke betrachtet, begleitet einen Tanzmusik der frühen 50er Jahre, und an einer Stelle kann man die Düfte der legendären Parfümfabrik „Neue Morgenröte“ ausprobieren oder sich ein einem Fotoabbild eines der Kleider fotografieren lassen.

Auf diese Weise verlässt man das Museum wohl gestimmt und durchaus zufrieden. So geht es übrigens wohl den meisten Besuchern, bei denen die Ausstellung sehr beliebt ist. In den ersten beiden Monaten kamen 3.000, der Journalistin von Narodnaja Volja hat es so gut gefallen, dass sie einen großen Artikel geschrieben hat. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. Juni zu sehen.

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