Museumswissenschaftliche Fachliteratur

Eine neue Dissertation zur Museumslandschaft in Belarus war Anlass für mich, mal einen (nicht vollständigen und nicht erschöpfenden) Blick auf die Fachliteratur zu Fragen rund ums Museum zu werfen. Die erwähnte Dissertation von Evgenija Krasnova (russisch) gehört zweifellos dazu, so wie auch die Arbeiten von Tamara A. Džumantaeva, die bis dahin die einzige Doktorarbeit zu den belarussischen Museen (zur „Entwicklung der Kulturmuseen in Grodno“, 2009, belarussisch) vorgelegt hatte.

Hier deutet sich bereits ein Problem für ausländische Wissenschaftler an: Wer einen genauen Blick auf die belarussische Museumsszene werfen will, der muss auch belarussisch zumindest lesen können. Z.B.

Alexander A. Gužalovskij, Professor für Museumswissenschaften an der BGU, schreibt meist auf belarussisch. Von ihm stammen zahlreiche Veröffentlichungen, darunter die dreibändige Übersicht über die Geschichte der belarussischen Museen von 1918 bis 1991 (letzter Band: Minsk 2004) sowie die umfangreiche Einführung in dem Nachschlagewerk „Muzei Belarusi“, Minsk 2008.

Ebenfalls zur Lage der belarussischen Museen publiziert Alla Staskevič vom Institut für belarussische Kultur, und zugleich Vorsitzende von ICOM Belarus. Vgl. Музеи Литвы и Беларуси: пути и перспективы развития в XXI веке: [материалы конференции, Минск ― Вильнюс ― Тракай, 2006―2007 / составители: Е. Матевосян, В. Повилюнас, А. Сташкевич]. – Минск [и др.], 2007. – 111 c. Das Institut für belarussische Kultur sammelt übrigens statistisches Material über die Museen des Landes, was allerdings nur unregelmäßig veröffentlicht wird.

An der im Exil befindlichen Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius beschäftigt sich Alexander Kolbaska mit dem Thema, der auch viel auf Englisch publiziert, über Belarus hinaus in andere Länder schaut und dabei Fragen des Museumsmanagements berührt.

Eine eigene Fachzeitschrift gibt es in Belarus nicht. Unregelmäßig erscheinen lediglich die Музейныя сшыткi. Навуковая апрацоўка музейных прадметаў. Пiсьмовыя i фотадакументальныя помнiкi: Навук.-метад.зб. – Мн.: БелIПК sowie eine Sammlung von Aufsätzen zu Museumsfragen vom Staatlichen Museum für Geschichte. Für allgemeine Fragen der Museumswissenschaften und theoretische Aspekte sind die entsprechenden russischen Zeitschriften zu nennen, z.B. Voprosy Museologii, Mir Muzeja u.a. Die Berichte zur Entwicklung der Museumslandschaft, ihrer Institutionen und Personen, beziehen sich hier natürlich auf Russland – die Lücke für Belarus bleibt bisher offen. Einzelne Aufsätze zum Museumswesen dagegen finden sich in folgenden Zeitschriften: Vestnik Instituta sovremennych znanii, Vestnik Belarusskogo gosudarstvennogo universiteta kul’tury i iskusstva (auf belarussisch) sowie Čelovek. Gramadstva, Svet (Informationsministerium).

2003 ist ein Leitfaden zur Behandlung von Sammlungsgut erschienen (Naučnaja obrabotka muzejnych predmetov, Mogiljov 2003) sowie 2004 ein Wegweiser zur Entwicklung musealer Konzeptionen (Канцэпцыя развiцца музейнай справы, Minsk 2004, hg. vom Kulturministerium). 2005 hat das Nationale Kunstmuseum einen Sammelband herausgegeben (Muzej kak kreativnoe prostranstvo kul’tury, Minsk 2005) und 2006 veröffentlichte das Erziehungsministerium zusammen mit der Vitebsker Universität ein Handbuch für Studenten (Музей. Вучэбна-метадычны комплекс, Vitebsk 2006).

Die häufigste Publikationsform ist die Veröffentlichung von Konferenzbeiträgen, wie z.B. 2009 „90 год Вiцебскаму абласному краязнаŷчому музею (2009), darin ein Aufsatz über die Entwicklung des belarussischen Ausstellungswesens. Es lohnt sicher daher, die rege Konferenztätigkeit der Museen zu verfolgen. 2010 schließlich ist die Veröffentlichung Культурная спадчына, менеджмент, маркетинг (Minsk 2010)  erschinen.

Der Zugang zu internationaler Literatur und vor allem Zeitschriften ist sehr eingeschränkt. Sei es, weil die Bibliotheken kein Geld für Ankäufe haben, sei es, weil es doch einen Filter gibt, so dass es so manche Veröffentlichung nicht in die belarussischen Kataloge schafft. Fachliteratur zu allgemeinen Fragen des Kulturmanagements ist auch in Russland erst in den letzten Jahren erschienen, seitdem aber eine große Anzahl von Büchern und Aufsätzen. Hier lohnt sich ein Blick in die Publikationsliste des Studiengangs an der Petersburger Universität (G.L. Tul’činskij und E.L. Šekova). Aber nicht mal diese Literatur oder auch die verschiedenen Angebote von ICOM Russland sind hierzulande immer bekannt, geschweige denn verbreitet.

 

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