Das Museum als Ort der Persönlichkeitsentwicklung?!

Abschlussveranstaltung am 21.12.2010

Erwachsenenbildung wird in Belarus noch klein geschrieben. Es gibt weder ein so dichtes Netz von Volkshochschulen, wie wir es aus Deutschland kennen, noch Fortbildungseinrichtungen oder gar Seniorenakademien. Das Bildungssystem wird vielmehr bestimmt durch die schulische Bildung, das Hochschulstudium und die Berufsausbildung. Zwar bieten zunehmend städtische und andere offizielle Bildungseinrichtungen Kurse speziell für Erwachsene an (siehe: Minsker Bezirksinstitut für Bildungsentwicklung), doch stecken diese Angebote noch in den Anfängen – ein Grund, warum sich der „Deutsche Volkshochschulverband e.V.“ in Belarus engagiert.

Mit dessen Hilfe konnte ein Projekt in der Städtischen Kunstgalerie L. Schtschemeljow realisiert werden, das sich an Menschen im sog. 3. Alter richtete. In dem über ein Jahr laufenden Bildungsprogramm „Ein Festtag im Leben!“ ging es in unterschiedlichen Kursen um die Frage „Wie und mit welchen Mitteln kann ich mein Leben festlicher gestalten?“ Zusammen mit Pädagogen erhielten die meist weiblichen Teilnehmerinnen Einblicke in die Floristik, Musik und Gesang, Dekoration und Imagebildung. Zu Gesprächen standen auch Museumspädagogen, Journalisten sowie Vertreter sozialer Einrichtungen zur Verfügung.

Mit diesem Programm gehört die Galerie zu einer der ersten Einrichtungen in Belarus überhaupt, die sich mit dieser Zielgruppe beschäftigen. Ein wenig Zweifel an dem ansonsten wichtigen und für Belarus innovativen Ansatz ist jedoch die Auswahl des inhaltlichen Angebots. Die Abschlussveranstaltung vor den Weihnachtsfeiertagen spiegelte einen spielerischen Zugang zu allen behandelten Themen wider, der den Beteiligten zwar offenbar große Freude bereitet hat. Bei den geladenen Gästen blieb jedoch eher ein flaues Gefühl seichter Unterhaltung für ansonsten offenbar als ausgemustert betrachtete Menschen zwischen 50 und 60. Ganz persönlich wünsche ich mir, dass sich die Erwachsenenbildung in Belarus auf einem anderen Niveau etablieren wird. Gerade die Museen haben, ausgehend von ihren Sammlungen und Erfahrungen mit unterschiedlichen Zielgruppen, viel dazu beizutragen.

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