Museum des Großen Vaterländischen Krieges II

Anlässlich des 65. Jahrestages seit dem Ende des Großen Vaterländischen Krieges zeigt das Museum im Rahmen des Projekts „Die Parade des Sieges am 24.6.1945“ aktuell drei Sonderausstellungen. Zuerst eröffnete eine Präsentation über die sowjetische Gesellschaft im Krieg, danach eine Ausstellung über die die Lebensbedingungen und Aktionen der Partisanen. Seit dem 28.10.2010 ist auch die dritte Ausstellung zu sehen, die persönliche Gegenstände und erbeutete Waffen und Fahnen der Teilnehmer an der Siegesparade unter Einbeziehung von originalen Tondokumenten zeigt.

Ausstellungseröffnung am 27.10.2010

Auf den ersten Blick bieten die Ausstellungen nichts Neues auf die im Museum präsentierte Sicht des Krieges durch die Brille der sowjetischen Ideologie. Dieser Eindruck wird durch die traditionell überladene, in roten Farben gehaltene und sehr realistische Gestaltung unterstützt. Auch die Eröffnungszeremonien folgen alten Mustern, indem mit Orden beladene Veteranen die zur Anwesenheit verpflichtete Jugend auf die Heldentaten Stalins zum Sieg über die Faschisten und zur Befreiung von Belarus einschwören.

Auf den zweiten Blick jedoch zeigt sich eine differenzierte Sicht auf die Ereignisse. So findet sich in der Ausstellung über die „Sowjetische Gesellschaft im Krieg“ z.B. ein Foto aus dem Staatlichen Historischen Museum in Moskau, das die Gefangennahme eines Partisanen zeigt. Nicht nur, dass es nur sehr wenige solche Fotos gibt, da die offizielle Lesart der Geschichte eine Gefangennahme der als ausschließlich heldenhaft dargestellten Kämpfer nicht vorsieht. Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre es undenkbar gewesen, ein solches Foto in einer Ausstellung zu zeigen, insbesondere nicht im staatlichen Museum des Großen Vaterländischen Krieges. Dasselbe gilt für ein Foto eines jüdischen Ghettos, leider undatiert und ohne Ortsangabe, aber doch mit einer textlichen Erläuterung zu den Ghettos und der Behandlung der jüdischen Bevölkerung im Allgemeinen. Auch dies ist ein Thema, das sehr lange ein Tabu war und noch immer nicht zum Kanon gehört.

Eine eigenartige Mischung stellt die Ausstellung zu den Partisanen dar, die sich in Form einer nachgebauten Hütte im Wald präsentiert. Untermalt wird die Inszenierung von Vogelgezwitscher und dem Geräusch eines gelegentlich herannahenden Flugzeugs. An den Wänden werden in Vitrinen originale Notizbücher einzelner, künstlerisch tätiger Partisanenkämpfer sowie selbst hergestellte und von den Deutschen erbeutete Waffen ausgestellt.

Verlässt man die Ausstellung und das Museum über den Balkon in der Eingangshalle, so erhält man Gelegenheit, eine aktuelle Ausstellung zur Abschaffung der Todesstrafe zu sehen. Dass diese Ausstellung ausgerechnet in diesem Museum gezeigt wird, zudem in unmittelbarer Nähe mit den noch immer ideologisch geprägten Inhalten, ist bemerkenswert und spiegelt die Differenzierung der weißrussischen Gesellschaft in den letzten Jahren wider.

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