Schlagwortarchiv für: Freilichtmuseum

Dudutki

Nun habe ich es endlich auch mal in eines der wenigen Privatmuseen des Landes geschafft, nämlich in das Freilicht- und Traditionsmuseum Dudutki, das auch über eine deutsche Website verfügt. Ob man hier freilich von einem Museum sprechen kann, kann man sicher diskutieren – Exponate gibt es jedenfalls nur sehr wenige, die man zudem oft gar nicht als solche erkennt, weil sie nicht bezeichnet, geschweige denn erklärt sind.

Aber es muss ja auch nicht immer Bildung sein, Museen sind ja schließlich auch zur Unterhaltung da, und davon gibt es einige in Dudutki. Den verschiedenen Gewerken sind jeweils eine oder auch mehrere Hütten gewidmet, in denen man den Meistern bei der Arbeit zusehen und eine Souvenirwahl aus einem wahrlich großen Angebot wählen kann. Am Eingang findet sich jeweils ein Text, der das Handwerk, seine Werkzeuge und Techniken erläutert – übrigens alles auf russisch, was mich erstaunt hat, geht es doch um spezifisch belarussische Traditionen und Rituale. Die Website ist dagegen auf belarussisch gehalten sowie, mit Einschränkungen, auf englisch.

Originell ist die Idee der traditionellen Käserei und Molkerei, wo jeder Besucher mit seiner Eintrittskarte eine Kostprobe selbstgemachten Käses und Brotes bekommt. Wer mehr Hunger hat, kann im Museumscafé weitere Speisen bestellen, Speck, Gurken und Wodka probieren oder eine Picknickhütte belegen und seine mitgebrachten Speisen verzehren.

Für Kinder wie auch für Erwachsene gibt es eine Runde auf dem Pferderücken oder eine Fahrt im Bollerwagen oder einer hochherrschaftlichen Kutsche. Dieses Erlebnis wird freilich im Eindruck getrübt durch die Kombination der hohen, weißen Kalesche mit einem kleinen braunen Pony. Mit diesem Gespann kann man die größere Wegstrecke zur nahegelegenen Kirche nebst Freigehege für Ziegen, Schafe, Schweine und Kälber zurücklegen oder bis zur Windmühle fahren. Auch hier gibt es dann noch einmal die Möglichkeit, eine traditionelle belarussische Hütte mitsamt Einrichtung, Ausstattung und in Trachten gekleideter Bewohner zu besichtigen.

Alles in allem lohnt sich die Fahrt in das etwa 65km von Minsk gelegene Dudutki für die ganze Familie. Wie beliebt dieser Ort ist, zeigte sich an dem am Wochenende voll besetzten Parkplatz, auf dem u.a. viele Busse und Autos aus Russland zu sehen waren.

Frühlingsanfang im Freilichtmuseum

Am 24. März wird im „Museum nationaler Architektur und Lebensform“ einer der ältesten belarussischen Feiertage „Rufen des Frühlings“ (Гуканне вясны) begangen. Mit Liedern, die Vogelgesang im Frühling ähneln, wird hierbei die neue Jahreszeit begrüßt. Aus Weidenzweigen wird ein Freudenfeuer entzündet, drum herum wird getanzt.

Wie auch bei anderen traditionellen Festen sind auch dieses Mal die Museumsbesucher eingeladen, an dem Ritual selber teilzunehmen. Ergänzt wird das Angebot durch Workshops, in denen die traditionellen Puppen oder Teigfiguren hergestellt werden können, Konzerte, Verkaufsstände und natürlich belarussische Küche.

Museum für Flugzeugtechnik

Foto: http://aircraft-museum.ucoz.ru/index/o_muzee/0-4

Nicht gerade mein Spezialgebiet, aber Museum ist eben Museum, also habe ich mir auch dieses angesehen. Das erste Museum dieser Art in Belarus unter freiem Himmel befindet sich seit 2009 in Borovaja (Minsker Gebiet). Zu sehen ist eine stattliche Anzahl von Fluggeräten aus unterschiedlichen Zeiten, darunter viele Modelle, die man aus Zeiten des Kalten Krieges nur aus Büchern und Filmen kennt. Eine erklärende Ausstellung gibt es nicht, insofern handelt es sich wohl mehr um einen Erlebnispark als um ein Museum. Dazu passt das Angebot, in die Flugzeuge hineinzugehen, auch besteht die Möglichkeit eines Hubschrauber-Rundflugs. Wer es dann doch genauer wissen will, wird auf der (übersichtlichen, wenn auch etwas überladenen) Website fündig. Sie bietet Informationen, die man vor Ort vermisst, wie z.B. eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Exponate.

Hilfreich zum Einstieg in die Geschichte der Erinnerung der Luftfahrtgeschichte in Belarus ist eine Übersicht über Denkmäler zur Flugzeuggeschichte mit Fotos und weiteren Erläuterungen. Offenbar gibt es aber eine Fangemeinde, davon zeugt jedenfalls das aktive Forum auf der Seite.

Besuch der Militärattachés im Museum am 18.11.2012. Foto: http://aircraft-museum.ucoz.ru/

Die Museumslandschaft in Belarus …

… ist vielfältig und birgt viele Überraschungen in einem politischen System, in dem man wenig Spielräume vermutet. Mehr noch als die Museen selbst profitieren die Museumsmitarbeiter noch immer von der Aufbruchstimmung der frühen 90er Jahre. Was fehlt, sind internationale Kontakte und die Entwicklukng von Qualitätsstandards.

Eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation, aktueller Tendenzen und Herausforderungen habe ich für die aktuelle Ausgabe der „Belarus-Analysen“ der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität in Bremen zusammengestellt, ergänzt von statistischen Angaben zur lage der Museen, die vom Institut für Belarussische Kultur stammen. Zum vollständigen Text geht es hier.

Brand im Freilichtmuseum Dudutki

http://www.agroecotour.com/forum/viewtopic.php?f=19&t=11

Am Abend des 10. September ist im Freilichtmuseum Dudutki ein Feuer ausgebrochen und hat erhebliche Schäden angerichtet. Ob es Brandstiftung oder Fahrlässigkeit war, ist noch nicht geklärt.

Das Museum ist eines von drei (!) privaten Museen in Belarus. 1994 gegründet, bietet es unweit von Minsk ein vielfältiges Angebot rundum belarussische Volkskultur, Handwerk und Landwirtschaft. Finanziell muss es sich selber tragen. Folglich arbeitet es kommerziell. Die Preise können als gemäßigt bis hoch, gemessen an den hiesigen Einkommen, bezeichnet werden. Dennoch sind das Museum und das dazugehörige Gelände ein beliebtes Ausflugsziel.

Im Rahmen des in Belarus sehr geförderten Öko- oder Agrotourismus spielt das Museum eine wichtige Rolle.