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Neues aus den Universitäten

Bereits im April ist der Versuch des Landes gescheitert, am Bologna-Prozess teilzunehmen. Die Bewerbung vom Dezember 2011 wurde für die nächsten drei Jahre blockiert mit dem Hinweis auf die unzureichenden Anstalten der Republik Belarus im Bereich politischer Freiheiten. Damit ist Belarus das einzige europäische Land von 47 Nationen, das nicht am Aufbau einer gemeinsamen Region für Höhere Bildung (EHEA) beteiligt ist. Mitmachen darf aber Azerbajdzhan, das auch nicht gerade ein demokratisches Musterland ist. Eine neuerliche Bewerbung ist möglich, eine Entscheidung fällt aber erst 2015 in Jerewan.

Der Erziehungsminister, Sergej Maskevich, hat daraufhin den Vorwurf erhoben, die Entscheidung sei aufgrund politischer Erwägungen gefallen, womit er wahrscheinlich nicht ganz Unrecht hat.

Eine ausführliche Analyse der Situation der Hochschulen in Belarus unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Engagements sowie statistisches Material findet sich in den Belarus-Analysen Nr. 7 (26.6.2012).

Sommeruniversität an der Akademie der Wissenschaften

Als ich dachte, die Organisation an der Staatlichen Universität, wo ich Anfang des Jahres ein Seminar zum Ausstellungsmanagement gehalten habe, sei beklagenswert, so hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrung in dieser Hinsicht mit der Akademie der Wissenschaften gemacht, konkret mit dem Institut für Geschichte. Das konnte ich jetzt im Rahmen einer DAAD-Sommeruniversität zur Geschichte des Ersten Weltkrieges in Belarus nachholen.

Schon im Frühjahr hatte mich ein Mitarbeiter des Instituts um Rat gefragt bei der Beantragung der Gelder beim DAAD, der thematischen Ausgestaltung des Programms und der Gewinnung deutscher Studenten. Tatsächlich nahm das Unternehmen Gestalt an und so erklärte ich mich bereit, einen Tag zum Thema „Der Erste Weltkrieg im Museum: Ausstellungen in Deutschland, Russland und Belarus“ zu bestreiten. Das ist insofern ein durchaus aktuelles Thema, als es in Belarus Pläne gibt, ein eigenes Museum zum Ersten Weltkrieg zu eröffnen. Eine Arbeitsbesprechung dazu steht Ende September unmittelbar bevor. Soweit so gut.

Im folgenden Verlauf der Vorbereitungen konnte ich dann nur dank hartnäckiger Eigeninitiative immer wieder vorläufige Angaben über den Termin, den Ort oder die Teilnehmer bekommen. Als ich dann zwei Tage vor dem mühsam vereinbarten konkreten Termin noch immer nichts gehört hatte – ganz zu schweigen von einer offiziellen Anfrage, einer Einladung zur Eröffnung oder technischer Absprachen für die Durchführung des Seminars – habe ich mit nur schwer unterdrücktem Unmut wieder hinterher telefoniert, um wieder nur ratlose Antworten und wenig konkrete Informationen zu bekommen.

Um der Studenten willen habe ich das Seminar dann doch noch durchgeführt, was sich vor Ort dann auch als konstruktiv und für alle Beteiligten als informativ erwiesen hat. Teilgenommen haben letztlich drei von ursprünglich acht deutschen Studenten, die sich für die Sommeruniversität beworben hatten, ca. fünf Mitarbeiter des Instituts für Geschichte sowie zwei Mitarbeiterinnen des Museums für belarussische Literatur. Belarussische Studenten, die man bei einer internationalen Sommeruniversität durchaus erwarten könnte, waren nicht anwesend, aber auch als Teilnehmer nicht vorgesehen, angeblich, weil sie alle noch in den Ferien sind.

Die deutschen Studenten waren aber insgesamt zufrieden, fühlten sich gut betreut und in der Stadt wohl. Zu ihrem Programm gehörte noch ein Vortrag zum Ersten Weltkrieg in Belarus von Vjacheslav Bondarenko sowie ein Methodenseminar bei Sergej Novikov von der Pädagogischen Universität. Außerdem Ausflüge in das Museum zum Gedenkfriedhof des Erstens Weltkrieges in Minsk und zum Museum in Zabrodje, nach Naroch’ sowie zu weiteren kulturellen Sehenswürdigkeiten.

Auch wenn sowohl die Organisation als auch der thematische Bezug zum Esten Weltkrieg noch deutlich zu wünschen übrig lassen, so ist es doch letztlich erfreulich, dass sich immerhin einige wenige Studenten aus Deutschland auf den Weg in das ihnen bis dahin völlig unbekannte Belarus machen, um zu Hause von ihren insgesamt positiven Erfahrungen zu berichten.