Neues (geheimes) Museum in Minsk

Foto: http://ctv.by/node/470538

Ein ganz besonderes Museum wurde kürzlich in Minsk gegründet – nicht: eröffnet. Besonders ist es deshalb, weil es bisher keiner kennt und sich wohl auch in Zukunft kaum die Möglichkeit ergeben wird, die Ausstellung zu besuchen. Es handelt sich um das viel berüchtigte und zuvor oft angekündigte „Museum der belarussischen Staatlichkeit“.

Es befindet sich in einem Teil des Präsidentenpalastes, in dem sich auch die Bibliothek befindet, und der für die Ausstellung von Grund auf saniert wurde. Das Museum ist nur von dort und auf Einladung durch den Präsidenten persönlich zugänglich. Damit ist auch schon der Sinn und Zweck benannt: Es geht, so darf man getrost vermuten, um eine Darstellung der Heldentaten von Alexander Lukaschenko.

Offiziell widmet sich das Museum der Geschichte des Landes seit der Amtsübernahme Lukaschenkos 1994 und dem Prozess der nationalen Identitätsfindung in dieser Periode. Ein ähnliches Museum gebe es in Europa nicht, sagte der Präsident stolz, womit er ohne Zweifel recht hat. Im ersten Saal sind staatliche Dokumente, Exponate zur Staatssicherheit und dem Geldsystem zu sehen. Saal zwei ist der Wissenschaft und Wirtschaft gewidmet, Saal drei der Medizin, Bildung, dem Sport und der Kultur, Saal vier der Ethnographie und den internationalen Beziehungen sowie die Geschenke, die der Präsident in seiner Amtszeit erhalten hat.

Die Ausstellung wurde durch Mitarbeiter des Staatlichen Historischen Museums zusammengestellt. Bis heute hält sich das Gerücht, dass der damalige Direktor, Sergej Vecher, seinen Hut nehmen musste, weil er dem Unternehmen kritisch gegenüberstand. Von ihm war zu erfahren, dass das Museum über den allerneuesten Stand der Technik, bester Vitrinen und Medien, vieles davon aus Deutschland, verfügt. Damit ist es das wohl am besten ausgestattete Museum in Belarus. Nur schade, dass es niemand besuchen darf, der nicht persönlich eingeladen wird.

Die erste Führung hat dann auch der Präsident selbst übernommen. Der eigentlich für die Führung vorgesehene Museumsführer zeigte sich entsprechend beeindruckt und gab an, viel Neues durch den Präsidenten erfahren zu haben. Der wiederum versprach wiederzukommen und noch viel mehr zu erzählen…

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