Nachtrag zum 9. Mai

Der 68. Jahrestag des Kriegsendes verlief nach dem, so möchte man sagen, üblichen Muster ohne besondere Vorkommnisse ab. Im Vorfeld strahlten die staatlichen Fernsehsender die bekannten Kriegsfilme sowie einschlägige Dokumentationen aus. Zu sehen war u.a. ein Beitrag über das Konzentrationslager für Kinder in Krasny Bereg, Kreis Shlobin, wo sich eine Gedenkstätte von Leonid lewin befindet. Zu hören war immer wieder der Vorwurf der Geschichtsfälschung, auch an die deutsche Adresse. ONT verwies z.B. auf eine Umfrage, nach der 45 % der befragten Deutschen im Alter zwischen 29 und 50 Jahren nicht wissen, was am 8. Mai 1945 passiert ist. Positiv hervorgehoben wurde das Engagement des Vereins „Kontakte – Kontakty“, der sich seit Jahren für die Erinnerung an den deutsch-sowjetischen Krieg und das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen einsetzt. Eine Erwähnung des Deutsch-Russischen Museums, das vor kurzem eine neue Dauerausstellung eröffnet hat und von der Bundesregierung finanziert wird, gab es allerdings nicht. Bis in die belarussischen Medien hat es auch Kommissar Derrick geschafft – mit dem Hinweis, dass die Serie nicht mehr ausgetrahlt werden darf wegen der Mitgliedschaft des Schauspielers Horst Tappert in der SS. Problematisiert wurde die Frage der Mitgliedschaft und des persönlichen Schicksals dabei nicht.

Am Tag selber gab es zahlreiche Veranstaltungen, dieses Mal bei strahlendem Somemrwetter. Vormittags fand der traditionelle Marsch der Veteranen auf dem Prospekt Nesawissimosti vom Platz Oktjabrskaja bis zum Siegesplatz und die Kranzniederlegung am Siegesobelisken statt. Bemerkenswert war in diesem Jahr, dass der Präsident, außer von seinem Sohn Kolja, von dem ausw Belarus stammenden Astronauten Oleg Novickij begleitet wurde. Am Nachmittag gab es zahlreiche Volksfeste und Kulturprogramm, abends das große Feuerwerk. Außerdem wurden Teile der Innenstadt um die Karl-Marx-Straße zur Fußgängerzone erklärt, wo Schauspieler auftraten und andere Angebote gemacht wurden.

Was die Erinnerung an den Krieg berifft, betonte der Präsident nochmals deren Bedeutung für die heutige Generation. Sie sei viel wichtiger, als ihm persönlich ein Denkmal zu setzen, wovon er gar nichts halte, auch wenn er immer wieder und häufig dazu aufgefordert werde (mehrere Meldungen BelaPan 7.5.2013). Viel wichtiger sei das neue Museum des Großen Vaterländischen Krieges, das das „beste der Welt“ werde (und dessen Direktor er einen Tag zuvor entlassen hatte). Er habe dafür gesorgt, dass die Veteranen ihre Auszeichnungen tragen dürften, anders als die Nationalisten Anfang der 90er Jahre, dies dies hätten verhindern wollen.

Gleichzeitig wurden aber die Sonderzahlungen an die Veteranen zum Tag des Sieges ausgesetzt. Diese sollen erst im kommenden Jahr, zum 70. Jahrestag der Befreiung von Minsk, ausgezahlt werden. Böse, wer denkt, dass dann wieder einige Veteranen verstorben sind, so dass der Staat das Geld einsparen kann. Ein Kriegsveteran erhält zur Zeit Zuschläge zu seiner Rente abhängig von seinen Auszeichnungen oder seinem Verwundungsgrad. Im Durchschnitt sind das zwischen 2.940.000 und 3.380.000 Rubel (= $ 339 und $ 390).

Aktuell leben noch 25.300 Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges in Belarus, im letzten Jahr waren es noch 30.500. 31.600 Überlebende von nationalsozialistischen Lagern, Ghettos und Gefängnissen gibt es noch im Lande. Diese und weitere Opfergruppen erhalten kostenlosen Gesundheitsversorgung, freie Fahrt im Nahverkehr und verschiedene andere Vergünstigungen.

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