Der Minsker Brüderfriedhof – Der Große Krieg oder der Erste Weltkrieg III

Die Baustelle im Mai 2011.

Noch zu Beginn des Jahres war es eine unscheinbare Grünfläche, deren Bezug zum Ersten Weltkrieg man nur über eine ebenso unscheinbare Tafel an den beiden Seiteneingängen entnehmen konnte. Nun entsteht dort eine „Memorialkomposition“, der der Abbildung auf dem Bauschild zufolge eine Neugestaltung des Parks sowie den Bau einer Kapelle umfasst. Die Arbeiten gehen zügig voran, so dass das Ganze wohl noch vor 2014 fertig wird. Dies wiederum würde zu dem allseits erwachenden Interesse am Ersten Weltkrieg passen, das hier, wie übrigens auch in Russland, zu beobachten ist.

Die Rede ist von dem „Minsker Brüderfriedhof“, einem Ort an der Červjakov-Straße in der Nähe des Komsomolzen-Sees nördlich vom Stadtzentrum Minsk. Hier wurden beim Bau des Fundaments für die Kapelle menschliche Überreste gefunden. Dabei handelt es sich um Soldaten der russischen Armee, die hier 1915 beerdigt worden waren, nachdem sie in Minsker Krankenhäusern in Folge ihrer Kriegsverletzungen gestorben waren. Diese Erkenntnis haben die Angehörigen des Suchbataillons der Belarussischen Streitkräfte aus weiteren Funden, wie medizinischem Gerät, abgeleitet, wie ein Artikel der Belarussischen Militärzeitung vom 11.3.2011 berichtet.

Neben einem Rückblick auf die Ereignisse des Krieges empört sich der Autor, dass sich lange Jahre niemand für dieses Thema interessiert habe. Nur so habe es passieren können, dass auf Teilen des ursprünglich viel größeren Friedhofsgeländes, auf dem Orthodoxe, Juden, Katholiken und Moslems getrennt beerdigt worden waren, heute mehrstöckige Wohnhäuser stehen. In der Tat spielt der Erste Weltkrieg in Belarus, wie in Russland und zuvor in der Sowjetunion, kaum eine Rolle im offiziellen Gedächtnis. Seit einigen Jahren jedoch gibt es immer mehr Historiker und Museen, die sich dieser Epoche in Studien oder Ausstellungen widmen. Das heutige Gebiet von Belarus war auch in diesem Krieg ein zentraler Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen. In dem Bemühen, nationale Traditionen und Anknüpfungspunkte für die nationale Identität zu finden, liegt es nahe, auch diese historische Periode zu erforschen. In diesem Sinne ist es konsequent, dass an der Kapelle eine Liste mit den Namen aller hier Beerdigten angebracht werden soll, eine aufwendige Umbettung der Überreste geplant ist sowie eine Beerdigung mit allen militärischen Ehren.

Foto: http://zapadrus.su/zaprus/istbl/295--1914-18-.html

2003/2004 konnten im Rahmen eines Forschungsprojektes nähere Informationen zu dem am 29. November 1914 angelegten Friedhof und den Toten gefunden werden. Das Hauptinteresse lag auf der Erstellung einer Namensliste sowie der Rekonstruktion von möglichst vielen biographischen Details der ursprünglich ca. 5.000 Toten dieses Friedhofs. Über die Ergebnisse berichtet Andrej Karkotko, ein Historiker des Suchbataillons in der Belarussischen Militärzeitung vom 24.3.2011 und auf den Seiten von Zapadnaja Rus vom 17.3.2011, wo sich auch eine Liste der hier beerdigten Soldaten findet.

Ein Übersichtsplan findet sich hier.

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